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„Zur Sicherung der Gesundheitsversorgung von morgen beitragen“

Prof. Dr. Katrin Student verstärkt seit Anfang Juli den Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen

Seit 1. Juli 2026 ist Dr. Katrin Student als Professorin für Klinische Pflege und Medizin im Bachelorstudiengang Pflege und Master Advanced Nursing Practice im Fachbereich IV tätig. Damit gehört Prof. Dr. med. Katrin Student zu den ersten Ärztinnen in Deutschland, die eine akademische Pflegeprofessur für erweiterte heilkundliche Kompetenzen aufbaut. Als Fachärztin für Arbeitsmedizin und Notärztin bringt sie fundierte medizinische Expertise mit. Als Dipl.-Sozialarbeiterin im Gesundheitswesen hat sie zudem die Versorgung von einer Seite erlebt, welche die Medizin oft übersieht, und veröffentlicht an der Schnittstelle von Pflege und Medizin. Aufenthalte in Finnland, Schweden, der Schweiz und den Niederlanden prägen ihren Blick auf Versorgungsmodelle, die andere Länder bereits erfolgreich leben.

Hier stellt sich Prof. Dr. Katrin Student im Interview kurz vor:

Seit 01.07.2026 sind Sie als Professorin für Klinische Pflege und Medizin an der HWG LU. Hatten Sie einen guten Start?
Ich wurde von allen ausgesprochen herzlich empfangen und mit allen notwendigen Informationen und Materialien versorgt. Das war umso wertvoller, da ich als „Nordlicht" nicht nur an die Hochschule berufen wurde, sondern auch neu in die Region gezogen bin.

Sie haben eine ungewöhnliche Karriere. Was verbindet diese verschiedenen Stationen?
Ein roter Faden zieht sich durch alles: das Interesse an guter Gesundheitsversorgung, an der Frage, wie Verantwortung im Gesundheitswesen verteilt ist, und an der Freude am Lehren. Als Sozialarbeiterin im Gesundheitswesen habe ich gesehen, wie viel Versorgung jenseits der reinen Medizin passiert. Das Medizinstudium gab mir die naturwissenschaftliche und klinische Fundierung. Seit Jahren veröffentliche ich an der Schnittstelle von Pflege und Medizin. Jetzt als Professorin bringe ich dies zusammen: medizinisches Wissen, klinische Erfahrung und den Blick für das, was Pflege heute schon kann und morgen können und dürfen wird.

Welche Aufgaben umfasst Ihre neue Position, und was reizt Sie an ihr besonders?
Die Zeit ist reif für mehr Kompetenzen in der Pflege. An der HWG LU kann ich mitgestalten, was andere Länder vormachen: eine Pflege auf Augenhöhe mit der Medizin, basierend auf akademischer Ausbildung und erweiterten heilkundlichen Kompetenzen. Unsere Pflegestudierenden werden zu den Ersten in Deutschland gehören, die diese Kompetenzen erwerben – das ist eine enorme Verantwortung für die Hochschule, die Studierenden und auch für mich. Meine Aufgabe ist es, dafür eine wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Lehre sowie Prüfungsformate mitzuentwickeln, die zeigen, ob jemand diese Verantwortung tragen kann – und dabei die sich wandelnden gesetzlichen Rahmenbedingungen so umzusetzen, dass sie der Praxis dienen. Und diese Entwicklung wissenschaftlich zu begleiten.

Was macht die Pflegestudiengänge an der HWG LU für Sie besonders?
Der Bachelorstudiengang Pflege mit hochschulischer Berufsqualifizierung bereitet Pflegefachpersonen darauf vor, medizinische Versorgung in den Pflege- und Therapieprozess einzubinden und hier die Verantwortung eigenständig zu tragen, und ist damit im regionalen wie nationalen Vergleich früh dran. Das ist mehr als Akademisierung – es ist eine Neuverteilung von Verantwortung im Gesundheitswesen.

Was sehen Sie als besondere Herausforderung?
Die Lehre komplett neu zu entwickeln: Was brauchen Pflegende wirklich, um heilkundliche Aufgaben kompetent zu übernehmen, ohne ihre Pflege-Identität zu verlieren? Wie wird sich die pflegerische Rolle durch erweiterte Kompetenzen verändern? Das ist echte Innovationsarbeit – Zukunft gestalten anstatt Bestehendes zu verwalten.

Was möchten Sie den Studierenden mitgeben?
Ich möchte meine Studierenden dazu befähigen, neugierig zu bleiben, kritisch zu denken, Fragen zu stellen und wissenschaftliche Erkenntnisse reflektiert einzuordnen. Mein Ziel ist es, sie nicht nur fachlich auszubilden, sondern sie dazu zu befähigen, komplexe klinische Situationen fundiert zu beurteilen und verantwortungsbewusst sowie evidenzbasiert zu handeln.

Darüber hinaus möchte ich ihnen vor allem drei Dinge mitgeben:

Mut und Demut: Den Mut, medizinische Verantwortung zu übernehmen, wenn sie fachlich begründet ist, und zugleich die Demut, die eigenen Grenzen und die Grenzen des medizinisch Machbaren zu erkennen.

Klinische Urteilskompetenz: Gerade in Zeiten Künstlicher Intelligenz wird sie zu einer Schlüsselkompetenz. Dazu gehört die Fähigkeit, Wissen systematisch zu erwerben, wissenschaftliche Evidenz zu bewerten, klinische Befunde einzuordnen und daraus fundierte Entscheidungen zum Wohl der pflegebedürftigen Menschen abzuleiten.

Ein professionelles Selbstverständnis: Pflege ist eine eigenständige Profession mit eigener Wissensbasis – und sie kann zugleich erweiterte medizinische Kompetenzen verantwortungsvoll übernehmen. Dieses Sowohl-als-auch macht den Beruf besonders spannend. Die künftige Entwicklung dieses Berufs werden sie aktiv mitgestalten und so auch zu Pionier:innen ihres Fachs werden.

Was haben Sie vor Ihrem Amtsantritt in Ludwigshafen beruflich gemacht?
Zuletzt war ich im Forschungszentrum Jülich tätig, einer der größten Forschungseinrichtungen Europas, als stellvertretende leitende Ärztin des Betriebsärztlichen Dienstes mit Fokus auf Prävention und Notfallmedizin. Davor arbeitete ich mehrere Jahre klinisch im Krankenhaus und einer Rehaklinik mit den Schwerpunkten Innerer Medizin, Notfallmedizin, Orthopädie und Unfallchirurgie. Praxis und Lehre habe ich dabei stets verbunden – unter anderem durch Lehrveranstaltungen für Medizinstudierende und Ärzt:innen.

Warum fiel Ihre Wahl auf die HWG LU?
Die HWG LU bietet die Chance, an der Schnittstelle von Medizin und Pflege einen innovativen Studiengang mit exzellenten Kolleg:innen mitzugestalten – und dabei etwas zu schaffen, das zur Sicherung der Gesundheitsversorgung von morgen beiträgt.

Ganz herzlichen Dank!

(Interview: Personalentwicklung/Hoko)

Hochschulpräsident Prof. Dr. Gunther Piller, Prof. Dr. Katrin Student und Dekan Prof. Dr. Peter Rahn sitzend an einem Tisch im Büro des Präsidenten
(v.l.) Hochschulpräsident Prof. Dr. Gunther Piller, Prof. Dr. Katrin Student und Dekan Prof. Dr. Peter Rahn (Bild: HWG LU)
Porträtbild einer Frau mit Bille und beaunen, hochgesteckten Haaren
Prof. Dr. Katrin Student (Bild: privat)