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Spektrum 1-13

35 schiedlichem Umfang letztlich jeden. In einer Ge- sellschaft, in der Jungendlichkeit und Gesundheit hohe Werte darstellen, werden Sterben und Tod aber eher verdrängt. Nur noch wenige Menschen sterben zu Hause, Krankenhäuser, Hospize und Altenheime haben die Rolle der letzten Heimstätte übernom- men. Das Lebensende wird so letztlich „hospitali- siert“. So ist es kein Wunder, dass auch die Trauer – sieht man einmal von der öffentlichen Trauer um berühm- te Verstorbene wie Lady Di oder Michael Jackson ab – eher im Verborgenen stattfindet. Trauernden wird nur ein relativ enges Zeitfenster für das Ausle- ben ihrer Gefühle zugestanden. Schon nach kurzer Zeit fallen Sätze wie: „Du musst Dich wieder dem Leben zuwenden.“ Vor diesem Hintergrund bietet ein Trauercafé einen vertraulichen und geschützten Rahmen, innerhalb dessen sich Trauernde bei Kaf- fee und Kuchen über ihre Trauer, aber auch über Alltagsfragen austauschen können. In dem Seminar „Krisensituationen im Umfeld von Tod und Demenz“, das die Professorin Annegret Lorenz und der Verfasser im vergangenen Sommer- semester angeboten haben, wurde die Idee geboren, ein derartiges Trauercafé mit Studierenden zu gestal- ten. Einen Namen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars für ihr Projekt auch schnell gefunden: Café Unvergessen. Insgesamt elf Studierende des Seminars bereiten die monatlichen Termine vor; dabei ist eine Gruppe für die Organisation, die andere Gruppe für die Leitung des Cafés zuständig. Einen Kooperationspartner fand man in dem Sozialverband VdK, Kreisverband Ludwigshafen. Der Kreisgeschäftsführer Frede- ric Grange erklärte sich bereit, für die Werbung zu sorgen und für die Mitglieder des VdK die Kosten für Kaffee und Kuchen zu übernehmen. Deshalb richtete sich das Angebot auch zunächst allein an die Mitglieder des VdK, in den weiteren Terminen wurde diese Austauschmöglichkeit aber für alle Lud- wigshafener Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Im Jahre 2012 fand das Trauercafé am 17. Oktober, am 21. November und schließlich kurz vor Weihnach- ten, nämlich am 19. Dezember statt. Das Café stieß schnell auf große Resonanz. Beim ersten Termin waren es zunächst zwei Trauernde, die ihren Weg ins Café fanden. Schon beim zwei- ten Termin waren es zehn. Während an den ers- ten beiden Terminen noch ein separater Raum im Café König´s in der Bahnhofstraße zur Verfügung stand, kam am 19. Dezember – wohl nicht nur für die Organisatoren – unerwartet dessen Insolvenz dazwischen: Einen Tag vor der Durchführung des Cafés wurde den Beteiligten klar, dass das Café sei- ne Pforten wohl jedenfalls am nächsten Tag (und wahrscheinlich auch für längere Zeit) nicht öffnen würde. Auch hier half wieder der VdK: In dessen Räumlichkeiten im Bismarckzentrum konnte kurz- fristig das dritte Trauercafé stattfinden. Zumindest im Januar wird das Trauercafé erneut dort seinen Platz finden. Da die Studierenden dann aber der Klausurvorbereitungsstress treffen wird und viele mit ihrer Bachelor-Arbeit befasst sein werden, wer- den die Termine des nächsten Jahres zunächst allein von Annegret Lorenz und Andreas Rein angeboten. Am Anfang waren die Studierenden noch unsicher, welche Aufgaben jeder einzelne übernehmen wür- de, aber schon nach dem ersten Termin waren sie sicherer in ihrem Auftreten. Es zeigte sich, dass die Moderation des Cafés und der direkte Kontakt mit den Trauernden zwar nicht unerhebliche Herausfor- derungen darstellten, aber keineswegs so schwierig waren, wie es die Studierenden zuvor befürchtet hatten. Letztlich geht es nur darum, Trauernden ein Forum zu bieten, in dem sie ihre alltäglichen Nöte angesichts des Todes eines geliebten Menschen for- mulieren können. Im besten Fall fühlen sie sich hin- terher besser und tanken neue Kraft für ihren Alltag. Wie die Studierenden es so schön in der Einladung zum Trauercafé formuliert haben: „Wir wollen ger- ne mit Ihnen ein Stück des Weges gemeinsam gehen, aber jeder geht dabei seine eigenen Schritte.“. Lehre & Forschung Prof. Dr. jur. Andreas Rein Staats- und Verwaltungsrecht; Sozialrecht; Existenzsiche- rungsrecht, Fachbereich IV – Sozial- und Gesundheitswesen 0621/5203-534 andreas.rein@hs-lu.de

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